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Fütterungsversuch Kälber

In dieser Woche kommen wieder über 30 Kälber mit ca. 100 kg auf unseren Betrieb. Fast jedes Tier kommt dabei von einem anderen Betrieb.

 

Dieser Umstand hat für uns vor allem drei wesentliche Aspekte: 

  • Jedes einzelne Tier bringt unterschiedliche Keime und Bakterien von seinem Mutterbetrieb mit, die ersten Tage ist die Gefahr gegenseitiger Infektionen extrem hoch
  • Jedes einzelne Tier wurde bisher unterschiedlich gefüttert, von Kälbern die sich ausschließlich von Muttermilch ernährt haben bis zu bereits fressenden Tieren ist alles dabei, inklusive aller Abstufungen dazwischen
  • Die Kälber haben eine Reise von ein paar Std. hinter sich, sie sind müde, in einer völlig neuen Umgebung und in einer Gruppe mit, bis auf wenige Ausnahmen, neuen Kollegen

 

Alles, was wir am ersten Tag (und auch in der kommenden Woche) tun, hat daher vorrangig folgende Ziele:

  • die Kälber zur Ruhe kommen lassen und ihnen eine tiergerechte, stressfreie Umgebung zu sichern
  • durch gründliche Reinigung der Stallung und ideales Stallklima die Gesundheit der Tiere zu stabilisieren
  • die Fütterung der Kälber möglichst schnell auf ein einheitliches, hohes Niveau zu bringen

 

Unser aktueller Versuch richtet sich vor allem auf den Punkt der Fütterung, dieser beeinflusst aber direkt auch die Tiergesundheit. Fühlt sich ein Kalb wohl und wird es gut mit den benötigten Nährstoffen versorgt, hat es weniger Stress. Dies ist die wichtigste Vorraussetzung für die Tiergesundheit.

Kälber, die auf unseren Betrieb kommen, sind von der Milch zumeist noch nicht entwöhnt. In den ersten Wochen bekommen die Tiere von uns also noch Kälbermilch. Gleichzeitig bieten wir den Tieren von Beginn weg einen so genannten "Kälberstarter" an, eine Futtermischung aus unterschiedlichen Futtermitteln und Heu. 

Der Beginn der Fütterung entscheidet letztendlich über die Gesundheit und Leistung der Tiere bis hin zur Schlachtung. In dieser Phase, in der die Kälbermilch die Tiere über den Labmagen ernährt, bildet die feste Nahrung im Pansen die sogenannten Pansenzotten aus. Diese Zotten sind wesentlich für die zukünftige Entwicklung des Rindes. Was wir füttern hat einen direkten Einfluss auf deren Entwicklung. Auch unser aktueller Kälberstarter wurde vor allem für diese Entwicklung zusammengestellt. Gleichzeitig geben wir noch relativ lange Kälbermilch um die Tiere langsam zu entwöhnen. Dies hat auch zur Folge, dass manche Tiere das feste Futter möglichst lange ignorieren - ihnen reicht die Kälbermilch, die Ausbildung der Pansenzotten erfolgt nicht oder unzureichend. Hier werden wir bei dieser Gruppe versuchen, eine leicht abgeänderte Herangehensweise unserem aktuellen Fütterungskonzept gegenüberzustellen.

 

Eine Versuchsbeschreibung:

Wir teilen unsere Kälber in zwei gleich große Gruppen, beide Gruppen sind im gleichen Stall mit gleich großen Stallungen. Die Unterschiede in der Fütterung zwischen der Standardvariante (Fütterung wie die letzten Jahre etabliert) und der Versuchsvariante sind folgende:

 

Standard:

  1. Kälbermilch für 21 Tage mit 5 Liter / Tier & Tag, danach wird 7 Tage lang kontinuierlich bis auf 2 Liter / Tier & Tag reduziert. 2 Liter / Tier & Tag bekommen die Tiere dann noch, je nach Fressverhalten, für ca 2 Wochen. Tränkephase insgesamt: 42 Tage
  2. Ab dem ersten Tag wird unser Kälberstarter und Heu ad libitum (jederzeit und frei verfügbar) gefüttert. Unser Kälberstarter setzt sich aus folgenden Futtermitteln zusammen: Trockenschnitte, Soja, Weizenflocken, Kalkgries sowie einer Mischung aus Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen
  3. Nach einer Woche auf unserem Betrieb kommt auch unsere TMR (Mischration für alle Tiere) langsam zu der Fütterung hinzu. Diese wird aus Maissilage, Stroh, Rapsschrot, Roggenfuttermehl, Kalkgries und einer Mischung aus Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen täglich frisch gemischt

Versuch:

  1. Kälbermilch für 14 Tage mit 5 Liter / Tier & Tag, danach wird 7 Tage lang kontinuierlich bis auf 2 Liter / Tier & Tag reduziert. 2 Liter / Tier & Tag bekommen die Tiere für weitere 7 Tage. Tränkephase insgesamt: 28 Tage
  2. Ab dem ersten Tag wird das fertig gemischte Produkt "Kalbi TMR Alfa" ad libitum gefüttert. Diese TMR, speziell für Kälber von der Fa. Schaumann gemischt, setzt sich aus folgenden Futtermitteln zusammen: Mais, Luzerne, Soja, Gerste, Trockenschnitte, Rübenmelasse sowie diverser Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente. 
  3. Nach einer Woche wird hier ebenfalls unsere TMR verfüttert, unser normaler Kälberstarter wird im Verhältnis zugemischt

Das Versuchsziel:

Durch die äußerst schmackhafte und abgestimmte Kalbi TMR im Versuch sollen die Tiere früher zum Fressen von festem Futter angeregt werden, die Tränkezeit reduziert werden können. Dies hätte vor allem Einfluss auf die Entwicklung der Pansenzotten und damit die Tiergesundheit und Leistung in allen weiteren Lebensphasen auf unserem Betrieb. Die speziell entwickelte Kalbi TMR Alfa ist deutlich teurer als unsere bisherige Fütterung der Kälber, sollte damit aber eine erkennbar bessere Tiergesundheit erreicht werden können, ist diese Variante auch wirtschaftlich argumentierbar.

Die Ergebnisse des Versuches werde ich hier ebenfalls in einigen Wochen veröffentlichen. 

"wir sind nicht reich genug, um uns billiges futter zu leisten"

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Kommentare: 2
  • #1

    Gerhard (Sonntag, 03 April 2016 01:06)

    Hallo, werden die Kälber bei euch beim Einstallen geimpft?

  • #2

    Franz (Sonntag, 03 April 2016 12:52)

    Hallo Gerhard!
    Ja, unsere Rinder bekommen am Tag der Einstallung einen inaktivierten Bronchopneumonie-(Ringergrippe-)Impfstoff verabreicht, den gleichen dann noch einmal nach 4 Wochen.
    Das Risiko einer Infektion bei einer Gruppe in der Größenordnung ist unserem Tierarzt und uns zu hoch als das wir darauf verzichten wollen.